Brutzeit – gefährliche Zeit für Jungvögel

Von Elisabeth Kehl, Voliere Gesellschaft Zürich / ProTier Ausgabe 2/15

Brutzeit – gefährliche Zeit für Jungvögel

Jungvögel nicht voreilig mitnehen
Befiederte Jungvögel sind meist nicht verlassen, obwohl sie noch nicht gut fliegen können. Die Eltern verstecken sich vor den Menschen, sind aber meist in der Nähe. Bitte nehmen Sie den Jungvogel nicht einfach mit. Wenn er sich an einer gefährlichen Stelle befindet (z.B. mitten auf der Strasse oder ungeschützt vor Katzen und Hunden), ist es besser, ihn auf einen Ast oder in ein Gebüsch in der Nähe zu setzen und aus sicherer Distanz zu beobachten, ob sich die Elternvögel zeigen. Er wird die Eltern mit Bettelrufen auf sich aufmerksam machen. Übrigens führt das Berühren der Jungvögel in einer solchen Notsituation nicht dazu, dass ihn die Altvögel verstossen!
Wenn der Jungvogel noch nackt, wenig befiedert oder leicht verletzt ist, ist es sinnvoll, ihn in die Voliere oder eine Auffangstation zu bringen. Bei Brüchen oder schweren Verletzungen sollte das Tier ins Tierspital gebracht werden.

Verunfallten Vogel gefunden – was tun?
Manchmal liegt ein Vogel – ob aus dem Nest gefallen oder nach einer Kollision – nach dem ersten Schreck wie tot da, könnte aber nach kurzer Zeit wieder davonfliegen. Geben Sie deshalb dem Tier die Chance, in Ruhe wieder zu Bewusstsein zu kommen und sich zu erholen. Legen Sie den Vogel dazu in eine Kartonschachtel und stellen Sie diese (draussen) an einen ruhigen Ort. Lassen Sie die Schachtel offen und warten Sie beobachtend, aber mit etwas Distanz ab.

Der Notfall: So basteln sie schnell eine Vogeltransportbox:
Für den Fall, dass das Tier wirklich verletzt ist und nicht nach kurzer Zeit davonfliegt, hier eine Anleitung zum Basteln einer Transportbox:

Schritt 1: Nehmen Sie einen stabilen und sauberen Karton

Schritt 2: Versehen Sie die Transportbox mit einigen kleinen Luftlöchern, (am besten verwenden Sie dazu eine Schere) und achten Sie darauf, dass es im Innern dunkel bleibt.

Schritt 3: Polstern Sie den Karton gut mit Haushaltspapier oder Tüchern aus, damit das Tier während des Transports gut geschützt ist. Verwenden Sie bitte kein Heu oder Stroh. Bitte beachten Sie, dass vor allem nestjunge Vögel in einen gut ausgekleideten Karton verpackt werden sollten, da sie sonst auskühlen. Legen Sie eine handwarme Wärmeflasche unter das Papier. Sie können auch einen Latexhandschuh als Wärmequelle mit 40°C warmem Wasser füllen und gut zuknoten.

Schritt 4: Setzen Sie den oder die Notfallpatienten in die Transportbox

Schritt 5: Schliessen Sie den Karton. Verletzte Tiere beruhigen sich im Dunkeln. Sichern Sie den Deckel des Kartons mit einem Klebeband. Damit schützen Sie sich und Ihren Patienten bei der bevorstehenden Fahrt zum Tierarzt oder zur Vogelpflegestation.

Schritt 6: Treten Sie die Fahrt sofort an und verzichten Sie für einmal auf Radio und Klimaanlage. Ihr Patient wird`s Ihnen danken!

By | 2017-06-02T18:55:00+00:00 Februar 17th, 2017|Allgemein, Fachzeitschriften, Hilfe, News, ProTier|0 Comments

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