Von Elisabeth Kehl, Voliere Gesellschaft Zürich / ProTier Ausgabe 4/16

Es war einmal … «Drei Nüsse für Aschenbrödel»

Haselnuss eins …
Wer kennt diese Vorweihnachtsgeschichte nicht? Aus jeder dieser Nüsse kam eine wunderbare Überraschung. Drei so wunderschöne Geschichten möchte ich Ihnen von unseren Gästen, Kunden und Bewohnern erzählen.

Mohrenkopfpapagei Cocco Foto: Voliere Gesellschaft Zürich

Mohrenkopfpapagei Cocco Foto: Voliere Gesellschaft Zürich

Jeden Morgen, wenn ich bei der Voliere ankomme, öffne ich unsere «Babyklappe», um sicherzugehen, dass junge oder verletzte Wildvögel schnellstmöglich versorgt werden. Zu meinem Erstaunen sass da eines Morgens ein «Häufchen» Mohrenkopfpapagei. Es schaute mich aus traurigen, verschüchterten Augen an. Handschuhe, da Mohrenkopfpapageien sehr selbstbewusste Vögel sind und schon mal kräftig zubeissen können, waren nicht in Reichweite – also entschied ich mich, den kleinen Papagei anzuflöten, in der Hoffnung, nicht gebissen zu werden, und hielt ihm die Hand hin. Mit letzter Kraft kletterte er auf meine Hand, lief den Arm hoch bis auf meine Schulter und schlief an meinen Hals gekuschelt ein. In der Babyklappe fand ich auch eine winzige Schachtel, aus der er sich aber hatte befreien können. Leider werden regelmässig nicht mehr gewollte Vögel so bei uns «entsorgt».
Dem Kleinen ging es ganz schlecht, er war ausgehungert. Verhungert! Er konnte nach ausgiebigem Schmusen und Kontakt gar nicht mehr aufhören zu fressen. Dies aber extrem langsam. Sein Körper hatte die Kraft nicht mehr, eine richtige Portion Futter aufzunehmen. So schnell wie möglich brachten wir ihn zum Tierarzt, der ebenfalls erschüttert war über seinen Zustand und uns keine grossen Hoffnungen machte, diesen kleinen, so liebenswürdigen Mohrenkopfpapagei durchzubringen. Gefuttert hatte er ununterbrochen, und er bekam natürlich nur die feinsten Leckereien. Er nahm an Gewicht zu, und eines
Tages, als er mich auf meiner Schulter begleitete, flüsterte er mir seinen Namen ins Ohr: Cocco!
Heute ist er mit einem Artgenossen der Chef in seiner neuen Familie, wird geliebt und braucht nie mehr Angst zu haben, dass er «entsorgt» wird!

Haselnuss zwei …
An einem Morgen klingelte es an der Volierentür, und davor standen drei Polizisten mit einem verlotterten alten runden Vogelkäfig. Darin sass eine ausgewachsene Elster oder was noch von ihr übrig war. Der Kopf kahl, Verletzungen rund ums Auge. Keine schönen langen, bläulich schimmernden Schwanzfedern. Das gesamte Federkleid war in einem erbärmlichen Zustand und im Futternapf Kanarienvogelfutter. Zu allem Elend war nur eine Stange in diesem Käfig – eine Metallstange! Dieser Sommer war sehr heiss, und die Polizei hatte den Käfig auf einem Dachboden gefunden. Der Anblick ihrer verbrannten Füsse trieb uns die Tränen in die Augen, und wir versorgten die Elster bestmöglich, damit sie wenigstens endlich schmerzfrei stehen konnte!
Mit mehr Platz und dem richtigen Futter erholte sie sich recht schnell. Nach fast zwei Monaten konnten wir sie in unsere Auswilderungsstation geben, um sie auf die Freiheit vorzubereiten. Die Polizei und das Veterinäramt gingen gegen den «Halter» gesetzlich vor, und er musste sich
vor Gericht wegen Tierquälerei verantworten! Bravo!

Haselnuss drei …
Für unsere exotische Begegnungswelt durften wir vier Rotnackenloris übernehmen. Zwei Paare, jung, verspielt und in den schillerndsten Farben. Wunderschön, den Besuchern die wundervolle Artenvielfalt in unserem Kleinod direkt am See, mitten in Zürich, zu vermitteln. Eines Morgens kam ich in die Voliere, und einer der Loris sass nicht auf seinem gewohnten Schlafplatz. Papageien zeigen erst, dass es ihnen schlecht geht, wenn es schon fast zu spät ist. – Die Pubertät hatte begonnen! – Irgendwann erwischte ich ihn und sah, dass seine linke Gesichtshälfte zerbissen war. Unser Vogelspezialist, Dr. med. vet. Sandmeier, wurde sofort informiert und er behandelte, untersuchte und verarztete ihn professionell. Mittlerweile sind alle wieder zusammen, und die Verletzungen sind nach tagelanger medikamentöser Behandlung kaum noch sichtbar! Also, beobachtet Eure Haustiere genau!
… Dies sind drei kleine Geschichten, die wir ohne Ihre Spende und die Unterstützung durch ProTier nicht hätten erzählen können. ■

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