Ein Artikel aus ProTier Ausgabe 1 / 2016
Von Elisabeth Kehl,Voliere-Gesellschaft Zürich

Finger weg von Jungvögeln!

Wenn unser Telefon in der Voliere am Mythenquai schon um halb sieben morgens zu klingeln beginnt, wissen wir, dass die Brut-und Aufzuchtsaison der Vögel begonnen hat und viele Fragen im Raume stehen. Ich möchte Ihnen hier einige Unsicherheiten, zum Umgang mit Jungvögeln nehmen.

Wann beginnt die Brutzeit?

Letzten Frühling kriegten wir schon Mitte März die ersten flüggen Amseln. Da können wir zurückrechnen, dass diese zwei Wochen als «Nesthocker» im schön versteckten Nest von den Elterntieren nach dem Schlupf betreut wurden; davor hatten diese ca. 28 Tage lang die Eier ausgebrütet und noch davor sicher zwei Wochen für die Brautschau und den Nestbau gebraucht. Tja, da sind wir schon bei Mitte Januar – und genau zu dieser Zeit hatten wir hohe Temperaturen und für die Jahreszeit viele Sonnenstunden. Genau dieser Umstand – viel Licht – aktiviert die Fortpfanzung.
Und wann schneiden wir unsere Hecken, Bäume, Sträucher?

Nesthocker und…

Ein Nesthocker, wie die Amsel, kommt fast nackt und mit geschlossenen Augen zur Welt und wird rund um die Uhr von seinen Eltern vor allem gewärmt und gefüttert. Je älter die Nestlinge sind, desto bewegungsfreudiger werden sie, und es kommt gelegentlich vor, dass ein besonders vorwitziger Jungvogel aus dem Nest fällt. Dieser benötigt dringend unsere Hilfe, denn die Eltern füttern den
Kleinen ausserhalb des Nestes nicht: Setzen Sie den Nestling wieder zurück in sein Nest und scheuen Sie sich nicht, den Vogel zu berühren, denn die Eltern nehmen ihren Nachwuchs weiterhin an.

…Nestfüchter

Ein Nestfüchter, wie zum Beispiel unsere Stockente, ist kurze Zeit nach dem Schlupf bereit, seiner Mutter ins sichere Gewässer zu folgen und selbständig Nahrung aufzunehmen. Entenküken sind mit Jungdaunen «bekleidet», aber trotzdem auf die Wärme unter dem schützenden Federkleid
ihrer Mutter angewiesen.

Unternehmungslustige Ästlinge

Ästlinge sind – anders als Nestlinge – bereits vollständig befedert und in einem Alter, in dem sie ihre Flugfähigkeit und die eigenständige Nahrungsaufnahme ausserhalb des Nestes proben. Unter Anleitung ihrer Eltern erkunden sie ihre Umgebung und werden noch mit Futter versorgt. Dies ist die gefährlichste Zeit für einen Jungvogel. Die Eltern müssen den Nachwuchs zwangsweise über einen längeren Zeitraum allein lassen, um nach Futter zu suchen. Droht Gefahr, füchten Ästlinge nicht, sondern verhalten sich still und bleiben regungslos, und ihr einziger Schutz ist die Tarnung durch ihr meist unauffällig gefärbtes Federkleid. Wenn Sie einen gesund wirkenden Ästling fnden und nicht sicher sind, ob er von seinen Eltern versorgt wird, sollten Sie ihn aus einem Versteck heraus beobachten. Ruft er laut, so wird nach kurzer Zeit ein Elternteil mit Futter herbeieilen. Der kleine Vogel benötigt somit keine Hilfe! Wenn der Jungvogel in einer Gefahrenzone wie z.B. auf einer Strasse sitzt, bitte auf den nächsten Ast oder die nächste Mauer setzen und beobachten. Vögel in diesem Alter mitzunehmen, bedeutet fast immer ihren Tod, da sie sehr verängstigt sind und meist die Nahrungsaufnahme verweigern. Wer Hauskatzen besitzt und trotzdem Vogelkinder in seinem Garten haben möchte, der sollte seinen «Tiger» im Haus behalten, da Jungvögel alles andere als gute Flieger sind und somit zur leichten Beute werden.

 

Mehr Infos, Fotos und aktuelle Geschichten über die gefiederten Schützlinge der Voliere Zürich:
www.voliere.ch oder auf Facebook: www.facebook.com/VoliereZuerich

 

 

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By |2017-01-03T10:37:14+00:00Januar 15th, 2016|Hilfe, ProTier|0 Comments

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