Auch die Voliere sagt DANKE!

Von Elisabeth Schlumpf, Voliere Gesellschaft Zürich / ProTier Ausgabe 4/17

Auch die Voliere sagt DANKE

Bald neigt sich das Jahr dem Ende zu, die Natur macht sich bereit für den Winterschlaf, und auch bei uns in der Wildvogel-Pflegestation der Voliere wird es ruhiger.

Es war ein turbulentes Jahr, und die Vogelwelt hatte im Frühjahr mit Kälte und Nässe einen schweren Start. Viele Zugvögel, wie z.B. der Mauersegler und der Star, hatten beim Ankommen viel zu wenig Nahrung, da die Insekten wegen des Regens und der Kälte auf sich warten liessen. Auch der Nestbau fiel wortwörtlich ins Wasser. Doch unsere gefiederten Freunde haben nicht aufgegeben!
Dank unzähligen aufmerksaen Passanten und Vogelbeobachtern brachte uns der Tierrettungsdienst mehrmals täglich viele Transportkisten mit ausgehungerten und später auch mit verwaisten Jungvögeln. Auch die Polizei und der Wildhüter, die uns immer mit Rat und Tat zur Seite stehen, brachten uns verletzte oder junge Vögel. Ebenso wurden wir von Tierärzten und dem Tierspital „beliefert“.

Unsere Aufklärungsarbeit greift
Ich bin sehr dankbar, dass unsere Aufklärungsarbeit greift und viele Mensche dadurch keinen Unterschied mehr machen, um welche Vogelart es sich handelt. Auch wurden dieses Jahr viel weniger junge Enten überflüssigerweise eingesammelt.

Der Kirschkernbeisser: Charaktervogel der Laubwälder. Mit seinem ausgeprägten Kegelschnabel kann er kraftvoll Nüsse und Samen knacken.

Bis Ende Oktober stieg die Zahl der uns überbrachten Wildvögel auf 1560. Darunter waren, um nur einige zu nennen, 251 Amseln, 223 Haussperlinge, 90 Kohlmeisen, 57 Mauersegler, 23 Alpensegler und 21 Distelfinken. Auch Exemplare von Baumfalke, Turmfalke, Waldohreule, Wasserralle, Schnepfe, Wendehals und Kuckuck waren dabei, aber auch seltene Gäste wie Felsenschwalbe, Steinschmätzer und Flussseeschwalbe.

Lebensräume für Vögel werden immer weniger
Trotz aller Hilfe haben wir ein grosses Problem! Das Vogelsterben nimmt dramatische Ausmasse an! In der EU, zu der wir auf der Statistikkarte auch gehören, haben wir bei den Brutpaaren zwischen 1980 und 2010 einen Verlust von 57 Prozent zu verbuchen! Und in den letzten 12 Jahren kam es zu einem Rückgang um sage und schreibe 12,7 Millionen Brutpaare!
Mit Abstand am stärksten betroffen ist unser wunderschön schillernder Star. Mit 2,6 Millionen Brutpaaren weniger ist diese Art auf Talfahrt. Die Lebensräume des Stars schwinden, und auch die Bruthöhlen fehlen immer mehr. Leider gehört zu den Hauptursachen das Insektensterben, welches durch die industrielle Landwirtschaft mit ihren Agrargiften und die Zerstörung der Natur ausgelöst wurde. Auch werden viele Gärten in Steingärten umgewandelt oder allzu sehr „gepützelt“, und Brutplätze an privaten Häusern werden zugemauert, um keinen „Dreck“ an den Wänden zu haben. Direkt hinter dem Star folgen „Allerweltsvögel“ wie Haussperling, Buchfink und Wintergoldhähnchen auf der Liste!

Wir danken allen für ihre Unterstützung
Ich möchte im Namen aller Vögel, um die wir uns hier in der Voliere kümmern, DANKE sagen. Danke allen Spendern und Gönnern, unseren Mitgliedern und den freiwilligen Helferinnen und Helfern!
Dank der sehr grosszügigen Unterstützung von ProTier wird unserer Arbeit viel Vertrauen entgegengebracht, und wir können unseren Wildvögeln weiterhin helfen. Denn wir die Zahlen andeuten, wird unsere Arbeit in Zukunft immer nötiger und jeder freigelassene Vogel seltener und daher wertvoller!

Ihnen, Ihrer Familie und Ihren Lieben wünsche ich schöne und besinnliche Feiertage. Elisabeth Schlumpf

By | 2018-01-14T10:23:34+00:00 Dezember 31st, 2017|Allgemein, News, ProTier|0 Comments

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