Welcher Vogel passt zu mir?

Schon immer faszinierte es den Menschen, einen Vogel zu besitzen. Ein Tier, das sich zwischen Himmel und Erde aufhält, das fliegen kann! Ein Symbol für Freiheit und Frieden!

Von Elisabeth Kehl, Voliere Gesellschaft Zürich / ProTier Ausgabe 2/18

Vögel sind wunderbare, intelligente und anspruchsvolle Wesen, und man sollte sich genau überlegen, aus welchen Gründen man einen Vogel halten möchte. Leider stellen wir in der Voliere Zürich immer wieder fest, dass viele Vogelbesitzer sich nur wenig oder gar nicht informieren. Manchmal sind es Gründe wie der, dass man schon lange einen Vogel haben wollte, er aber farblich zur Einrichtung passen muss, oder dass die Kinder sich für ein dreimonatiges Schulprojekt einen Papagei kaufen wollen.

Augen auf beim Vogelkauf!

Augen auf beim Vogelkauf!

„Ich möchte sie gerne einen Papagei, der sprechen kann“

Vor so einem Enscheid stellen sich gezielt folgende Fragen:
> Warum wollen Sie überhaupt Vögel?
> Für welche Vogelart interessieren Sie sich?
> Was erwarten Sie von Ihren neuen Mitbewohnern?
> Wie viel Platz können Sie Ihren neuen Haustieren bieten?
> Was sagen Ihre Nachbarn und der Vermieter dazu? (Vögel können sehr laut sein!)
> Wie viel Zeit haben Sie für Ihre gefiederten Gefährten?
> Haben Sie – je nach Vogelart – mindestens die nächsten 10 bis 50 Jahre Zeit für Ihre Haustiere?

Steht der Entscheid fest, steht man vor der Qual der Wahl. Es gibt so viele Vogelarten: die sogenannten Liebesvögel die Agaporniden –, den Kanarienvogel, der durch seinen schönen Gesang bekannt wurde, den meistgehaltenen «Anfängervogel» – der Wellensittich –, den Nymphensittich, die Schönsittiche, den Sper lingspapagei, den Halsbandsittich, die Gouldamadinen, die Finken in ihrer Vielfalt, Beos, Stare, die Graupapageien, den Kakadu, die Amazonen, Aras, Loris, die Mohrenköpfe…

Deshalb die Frage: Welche Vogelart passt zu mir?
Jede Vogelart hat ihre ganz eigenen Bedürfnisse, und es stellt sich die Frage: Kann ich diesen wirklich gerecht werden? Sie kommen von den unterschiedlichsten Kontinenten und aus den unterschiedlichsten Habitaten. Jede Art hat einen anderen Menüplan, andere Brutgewohnheiten sowie Lebensraumansprüche.

Nehmen wir den kleinen grünen Australier, den Wellensittich:
Er ist der am häufigsten gehaltene «Stubenvogel». Schon 1840 brachte John Gould von seinen ausgedehnten Entdeckungsreisen in das Innere Australiens ein paar junge Wellensittiche mit nach England, und hundert Jahre später wurden überall auf der Welt Millionen dieser Vögel verschiedenster Farbschläge als Heimtiere gehalten. Den Vogelfängern Australiens fiel es schwer, der enormen Nachfrage «gerecht» zu werden; allein Frankreich bestellte damals je
des Jahr 100’000 Paare! Und so wird auch heute noch mit allen Arten von Vögeln bis zu ihrer Ausrottung die menschliche Gier nach HABENWOLLEN befriedigt, obwohl die Gesetzeslage eindeutig ist!

Alle sozial lebenden Tiere müssen mindestens zu zweit gehalten werden! Das schreibt das Gesetz vor.
Klein heisst nicht kleiner Käfig, denn zum Beispiel der kleine, hübsche und leise Zebrafink ist enorm bewegungsfreudig und braucht viel Freiraum, um zu fliegen. Der Wellensittich, der sich in seiner Heimat in grossen Schwärmen wohlfühlt, braucht eine ganze Gruppe von Artgenossen, um gesund zu bleiben und sich sicher zu fühlen. Ein Kakadu, der in Menschenhand meist unterfordert ist, kann zu einem «Killervogel» werden. Graupapageien, die früher oft als Anfängerpapagei gehandelt wurden, weil es auf dem «Markt» so viele gab, sind in Bezug auf Beschäftigung und Gesellschaft enorm anspruchsvolle Vögel! Sie fristen leider oft als «Rupfer» ihr Dasein. Und das ist nicht die Schuld der Vögel. Wenn man all dies weiss, ist es ganz wichtig, sich zu hinterfragen und sich zu informieren, welchem Vogel ich gerecht werden kann und will! ■

By |2018-10-25T10:06:42+00:00Juni 23rd, 2018|Allgemein, News, ProTier|0 Comments

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