Woran erkenne ich, dass mein Vogel krank ist?

Vögel versuchen zu verheimlichen, wenn es ihnen nicht gut geht. Sie sind Schwarmtiere, und potenzielle Fressfeinde warten nur darauf, ein krankes, geschwächtes Tier zu erwischen. Ein kranker Vogel ist eine leichte Beute, und es kommt vor, dass er zum Schutz des Schwarms ausgestossen wird.

Von Elisabeth Schlumpf, Voliere Gesellschaft Zürich / ProTier Ausgabe 3/18

Wellensittiche, die kleinen grünen Australier, sind die am häufigsten gehaltenen "Stubenvögel"

Wellensittiche, die kleinen grünen Australier, sind die am häufigsten gehaltenen „Stubenvögel.“

Vögel sind Meister im Überspielen einer Krankheit oder Schwäche, denn es ist für sie schlicht überlebenswichtig. Wenn Sie also einem Vogel ansehen, dass es ihm nicht gut geht, kann die Krankheit schon sehr weit fortgeschritten sein. Deshalb ist es unabdingbar, seinen gefiederten Freund genauestens zu kennen und zu beobachten: seinen Charakter, seine Gewohnheiten, seine Lieblingsplätze, seine Schlafplätze, sein Fress- und Badeverhalten, die Gefiederpflege, seinen Rang in der Gruppe usw.

Um ihn zu beobachten, ohne dass er es bemerkt, empfehlen wir die «Schlüssellochtechnik». Bei den täglichen Arbeiten rund um den Vogel, wie füttern, saubermachen oder neue Äste reinhängen, können Sie ihn gut aus den Augenwinkeln studieren, ohne ihn direkt anzuschauen. Wenn Sie ihm direkt in die Augen schauen, spielt er Ihnen etwas vor, und das kann er gut.

Ein paar wichtige Verhaltensmuster, die Sie alarmieren sollten:

• Der Vogel schläft viel und wirkt apathisch.
• Er sitzt aufgeplustert da, obwohl es nicht kalt ist.
• Der Kot verändert sich, er wird flüssig oder enthält unverdautes Futter.
• Der Vogel sondert sich von der Gruppe ab oder wird sogar von ihr verstossen.
• Er trinkt übermässig viel.
• Er stochert nur im Napf herum, nimmt aber keine Nahrung auf.
• Er atmet durch den geöffneten Schnabel bis in den Schwanz.
• Er kneift immer wieder ein Auge zu.

Diese Anzeichen sollten Sie auf jeden Fall genau im Blick behalten. Je früher Sie handeln und zu einem fachkundigen Tierarzt gehen, desto besser stehen die Chancen für eine Heilung. Dabei dürfen Sie jedoch nie vergessen, dass auch ein Vogel manchmal einen schlechten Tag hat, wie wir Menschen auch.

Erste-Hilfe-Massnahmen bei einem Unfall
Unfälle ereignen sich oft beim Freiflug. Dies sollte Sie aber keinesfalls dazu verleiten, Ihrem Vogel den täglichen Freiflug zu verwehren; auch in freier Wildbahn kann es schliesslich zu Unfällen kommen. Die Folgen können verheerend sein: schwere Gehirnerschütterungen, Flügel- oder Beinbrüche, Vergiftungen oder sogar Schnabelbrüche.

All diese Unfälle erfordern eine sofortige Behandlung!
Um die Wartezeit bis zum Termin beim Tierarzt zu überbrücken, gibt es Erste-Hilfe- Massnahmen:

• Nach einem schweren Zusammenstoss, beispielsweise mit einem Fenster, der eine Gehirnerschütterung verursacht haben könnte, braucht ein Vogel absolu te Ruhe, einen abgedunkelten Raum und keine Wärme durch Rotlicht usw. Wärme erhöht den Blutdruck, der durch den Stress sowieso schon stark ansteigt.

• Bei einem Flügel- oder Beinbruch muss man sofort den Tierarzt aufsuchen, da sonst der Bruch nicht mehr richtig heilt.

• Für den Transport empfehlen wir eine kleine Transportbox, damit sich der Vogel nicht durch Herumflattern noch mehr verletzen kann. Bei einem Flügelbruch sollten Sie die Flügelspitzen mit Klebeband verbinden, denn so stützt der gesunde Flügel den verletzten.

Sollte sich der Zustand Ihres Vogels nicht innerhalb kurzer Zeit verbessern, ist der sofortige Gang zu einem Fachtierarzt dringend notwendig.

 

 

By |2018-10-25T10:07:21+00:00Oktober 23rd, 2018|Allgemein, News, ProTier|0 Comments

Leave A Comment